Bleib bei mir

Bücher 2018, Frauenliteratur, Neues vom Büchermarkt

„Bleib bei mir“ von Ayòbámi Adébáyò

Yejide kehrt Jahre nachdem sie ihren Ehemann Akin fluchtartig verlassen hat, anlässlich der Beerdigung Akins Vaters zurück in ihre alte Heimat. Und schon die ersten Sätzen des Romans lassen erahnen, dass es dramatische Ereignisse waren, die zur Trennung führten.

Abwechselnd erzählen nun Yejide und Akin ihre Geschichte, erzählen von ihrer ersten Begegnung im Nigeria der 80er Jahren, ihrer großen Liebe und ihrer Ehe. Vor allem aber erzählen sie von der ungewollten Kinderlosigkeit, die schon bald alles überschattet und zu immer größerem Druck führt, der vor allem auf Yejide von allen Seiten ausgeübt wird.

„Frauen machen Kinder, und wenn du das nicht kannst, bist du nur ein Mann und verdienst es nicht, eine Frau genannt zu werden.“

so Yejides Schwiegermutter Moomi. Sie hat auch bereits für eine Lösung gesorgt, indem sie ihrem Sohn Akin eine Zweitfrau aufgedrängt hat, die den gewünschten Kindersegen bringen soll. Die eigentlich gebildete und aufgeklärte Yejide unternimmt fortan alles, um schwanger zu werden und begibt sich sogar in die Hand eines dubioser Vodoo-Heilers – bis tatsächlich das „Wunder“ geschieht und Yejide schwanger wird. Und damit das eigentliche Drama seinen Lauf nimmt…

Der Roman hat viele gute und wichtige Ansätze, er schildert eine von klaren Rollenbildern geprägte Kultur und gibt viele interessante Einblicke in deren Alltag und Familienstrukturen. In erster Linie geht es jedoch um das kulturell übergreifende Thema Kinderlosigkeit und wie die Dringlichkeit des Wunsches nach Fortpflanzung jedes Mittel zu rechtfertigen scheint, diesen zu erfüllen.

Ich hatte mehrere Probleme mit dem Buch. Zum einen mit der Übersetzung von Maria Hummitzsch – zu gewollt, oft wenig authentisch. (Das ging mir schon bei dem ebenfalls von ihr übersetzten Roman „Das geträumte Land“ von Imbolo Mbue so). Dann taucht am Rande die politische Entwicklung Nigerias auf, die für die eigentlich Handlung jedoch nicht wirklich relevant und gewollt „reingepresst“ wirkt. Mein Hauptproblem jedoch waren die „das wäre jetzt ein gutes Ende“- Momente, von denen es meiner Meinung nach in dem Roman einige gab. Aber es ging weiter und weiter und dann wurde es zu viel, zu dramatisch, zu kitschig…

„Bleib bei mir“ von Ayòbámi Adébáyò

erschienen im Piper Verlag

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