Uns gehört die Nacht

Bücher 2018, Frauenliteratur, Lovestory, Neues vom Büchermarkt

„Uns gehört die Nacht“ von Jardine Libaire

Der Roman ist ja so eine Art literarisches It-Piece der Saison. Überall begegnet man ihm und – obgleich schon überdrüssig des Hypes – konnte auch ich im Buchladen dem eindringlichen Cover nicht widerstehen. Anfangs hat mich diese moderne „Aschenputtel-trifft-Prinz-Story“ auch schnell in ihren Sog gezogen, aber wirklich überzeugen konnte sie mich leider nicht.

Kurz zum Inhalt. Elise Perez, halbe Puerto-Ricanerin, die in einer Sozialsiedlung in der South Bronx aufgewachsen ist, trifft auf Jamey Balthazar Hyde, Spross alten Geldes, groß geworden in der Upperclass Fifth Avenue. Aus der anfänglich wilden Sexaffäre der beiden entwickelt sich sehr schnell mehr und damit beginnen – wie nicht anders zu erwarten –die Probleme. Nicht nur bezüglich ihrer Herkunft sondern auch in ihrem ganzen Wesen unterscheiden sich Elise und Jamey grundlegend.

„Sie denkt in wilden Gärten, während er seine Gedanken am Spalier zieht, an einem Gerüst aus Einführung, These, Argumentation und Schluss.“ (205)

Beide wurden auf sehr unterschiedliche Art in ihrer Kindheit und Jugend traumatisiert, haben jedoch sehr ungleiche Wege eingeschlagen, mit ihren Ängsten umzugehen.

Ich kann die große Begeisterung für diesen Roman nicht wirklich teilen. Sicher, es ist ein kurzweiliges Buch, auch ich fand schnell Zugang zu der Story und war bald gefesselt. Aber nach dem guten Einstieg ging mir nach und nach einiges auf die Nerven. Zum einen der Schreibstil. Oft findet Libaire ganz wunderbare Formulierungen wie

„… der Nachmittag ist hungrig vom Wintergrau. Er frisst die Seele auf.“

Aber genauso oft empfand ich ihre Metapher als sehr künstlich und an den Haaren herbei gezogen. Da wollte die Autorin meiner Ansicht etwas zu viel und (erheblich) weniger wäre mehr gewesen.

Davon abgesehen, waren mir die Charaktere, insbesondere die Nebenfiguren, einfach zu klischeemäßig. Sie agieren durch die Bank entsprechend der Schublade, aus der sie gezogen wurden, sei es der herzlose Familienpatriarch, die skrupellosen Upperclass-Tussi im Luxus-Penthaus oder die „Ghetto-Mae-West“ Mutter mit „Globen von Brüsten“ . Und so entwickelt sich auch die ganze Geschichte zunehmend in eine sehr vorhersehbare Richtung. Wirklich langweilig wurde es trotzdem nicht. Wenn man auf der Suche nach einer kurzweiligen Lektüre ist, die man gut „nebenbei“ lesen kann, kann ich das Buch durchaus empfehlen.

„Uns gehört die Nacht“ von Jardine Libaire

erschienen im Diogenes Verlag

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