4 Fragen an Christian Dittloff

Debütroman, Deutschsprachige Literatur, Im Gespräch, Lieblingsbücher

Christian Dittloff, über dessen Buch „Das Weiße Schloss“ ich in meinem vorherigen Blogeintrag geschrieben habe, ist nicht nur ein fantastischer, sondern auch ein super netter und unkomplizierter Autor, der sich sofort bereit erklärt hat, mir einige Fragen zu seinem Buch zu benantworten.

1.) Wieso hast du dich in der Dreierkonstellation Yves-Ada-Maria auf die Perspektive des Paares konzentriert (was ich übrigens sehr gut finde!)? Hattest du auch überlegt aus Sicht Marias zu erzählen bzw auf ihre Motivation/Gründe an dem Projekt teilzunehmen näher einzugehen? Ihre Briefe, in denen sie ja direkt zu Wort kommt, sind „oberflächlich“ gehalten und geben wenig über ihre tatsächliche Gefühlswelt und ihren Charakter wieder. Sie schreibt ja mehr oder weniger nur das, von dem sie denkt, das Yves und Ada es lesen wollen. Wie es ihr bei der ganzen Sache geht, flammt erst am Ende des Romans auf.

Du hast es eigentlich schon selbst gesagt. Ich versuche mich auf Ada und Yves zu konzentrieren, weil es mir um ihre Beziehung geht, nicht um die Dreierkonstellation. Ada und Yves wollen ja von bestimmten Aspekten der Elternschaft befreit werden, deswegen war es mir wichtig Marie bewusst auszuklammern. Ihr Aufflammen am Ende des Romans deutet allerdings an, dass ihre Rolle nicht so einfach ausgelagert werden kann, wie Ada und Yves und auch das Konzept des Weißen Schlossen sich wünschen. Die Oberflächlichkeit aus Maries Briefen ist eigentlich abgeschrieben, sie kommt zu großen Teilen aus Schwangerschaftsratgebern. Dass da aber etwas hintersteckt, etwas Persönliches, deutet sich in ihrem Brief aus dem 3. Monat an. Die Erinnerungen, die sie hat, als sie das Buttergebäck in den Tee tunkt. Hier wird es etwas nerdig, aber in Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ gibt es eine Schlüsselstelle: Die Hauptfigur tunkt ein Gebäckstück in eine Teetasse und kommt dann in einen Erinnerungsrausch, der viele hundert Seiten andauert. Die Stelle soll für mich zeigen, dass Marie eine Tiefe hat, die bewusst ausgeblendet wird.

 

2.) Wie bist du beim Schreiben chronologisch vorgegangen? Hast du erst die eigentliche Geschichte geschrieben und dann die eingeschobenen Kapitel? Wurde Dir im Rahmen der Recherche schon klar, dass du Einiges auf diese relativ direkte Weise im Roman verarbeiten wirst? Und wie hast du ausgewählt, welche zusätzlichen Quellen du für diese Kapitel verwendest? 

Ich habe etwa 3 Jahre an dem Buch gearbeitet. Die längste Zeit ging für den Plot drauf und für die Entwicklung der Figuren. Letzten Sommer habe ich dann den Großteil des Romans runtergeschrieben. Während der Recherche war ich so fasziniert von diesen wissenschaftlichen Figuren, dass ich mich irgendwann entschieden habe sie mit aufzunehmen. Und dann habe ich angefangen konkret nach Figuren zu suchen, wie zum Beispiel Ada Lovelace und diese in meinen Roman einzubauen. Sie verweben sich irgendwann mit der Ebene Figuren, zum Beispiel weil Ada Lovelace und die Ada in meinem Buch die selben Namen tragen.

 

3.) Die naheliegende – und vermutlich am häufigsten gestellte – Frage: Wieso dieses Thema? Weil es in erster Linie gesellschaftlich relevant und immer sehr kontroverse diskutiert wird? Oder primär weil es für dich persönlich, in deiner eigenen Biografie, ein wichtiges Thema ist? 

Wenn man in seinen 30ern ist, kommt diese Frage leider ganz automatisch. Die Gesellschaft fragt: Wie sieht es aus mit dem Nachwuchs. Und dann antwortet man und wird bewertet. Frauen werden dies viel häufiger gefragt und sind auch stärkerer moralischer Bewertung durch das Gegenüber ausgesetzt. Das hat mich interessiert und ich habe eine kleine Kurzgeschichte geschrieben. Dabei habe ich bemerkt, wie sehr mich das Thema fasziniert, weil anhand der Frage nach guter Elternschaft viele andere Dinge deutlich werden, andere Themen andocken. Allen voran: Geschlechterungleichheit.

 

4.) Die Bildende Kunst spielt ja eine große Rolle in dem Roman und ich empfand auch viele Passagen wie das Lesen eines Bildes oder das Betrachten einer Fotografie (was für mich stilistisch das Großartigste an Deinem Buch ist). Welche Beziehung hast du zu dieser Kunstform? Ich hätte nach dem Lesen deiner Kurzbiografie eher etwas in Richtung Darstellende Kunst/Theater erwartet.

Von den bildenden Künsten bin ich glaub ich eher privat fasziniert. Tatsächlich habe ich keine professionelle Beziehung dazu. Irgendwie zieht sich das aber durch mein Schreiben. Ich glaube am ehesten lässt sich das aus meinem Literaturwissenschaftlichen Studium ableiten, in dem ich viele theoretische Texte zur Bildbetrachtung gelesen habe, die mich besonders faszinierten. Allen voran Roland Barthes und Susan Sontag.

Danke, lieber Christian Dittloff für diese Einblicke!!!

„Das Weiße Schloss“ von Christian Dittloff ist im Berlin Verlag erschienen

 

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