Die Gesichter

Aus aller Welt, Bücher 2018, Kunst, Neues vom Büchermarkt

„Die Gesichter“ von Tom Rachman

„In jungen Jahren fand Pinch, menschliche Beziehungen seien ein Behelf für jene, die keine Kunst schaffen können. Heute sieht er in der Kunst einen Behelf für jene, die zu Beziehungen unfähig sind.“

Ein komplexes Beziehungsgeflecht zwischen Vater und Sohn, zwischen Künstler und Familie steht im Mittelpunkt des neuen Romans von Tom Rachman.

Pinch steht im Schatten seines übergroßen Vaters Bear Bavinsky, gefeierter Künstler, der sein Schaffen als Maler über alle menschlichen Beziehungen stellt auch – erst recht – über die zu seinen in aller Welt verstreuten Kindern von diversen Frauen. Bear beansprucht alle Aufmerksamkeit für sich, lässt nicht zu, dass in seinem Dunstkreis künstlerische Ambitionen anderer aufblühen können. So raubt er mit einem einzigen Satz seinem Sohn Pinch jegliche Hoffnung, dem Vater nachzueifern und erfolgreicher Maler zu werden.

„Ich halte große Stücke auf dich, mein Sohn, das weißt du, aber ich muss dir sagen, Kiddo, ein Maler bist du nicht, und du wirst auch nie einer werden.“

Pinch gelingt es bis ins Erwachsenenalter nicht, sich aus der emotionalen Abhängigkeit von seinem Vater zu lösen. Er verteidigt dessen Tun stets, sei es noch zu egoistisch und rücksichtslos, will seinem Vater gefallen, imponieren und lechzt nach dessen Anerkennung.

„Weil Dad es nicht böse meint. Er ist einfach so. Wie ein riesiges Schiff, das stetig vorwärtsdampft und das niemand aufhalten kann.“

So wirklich gepackt hat mich die Geschichte, die Rachman da auf über 400 Seiten ausbreitet, nicht. Gerade im Mittelteil gab es Abschnitte, bei denen ich kurz davor war, die Lektüre abzubrechen. Zu phlegmatisch, farblos und uninspiriert war mir die Hauptperson, zu dürftig die Handlung und zu offensichtlich erschien der Verlauf, den sie nehmen würde. Auf den letzten 150 Seiten hat Rachman jedoch Einiges wettgemacht und dem Ganzen eine Wendung gegeben, die mich sowohl mit Pinch, als auch dem Roman versöhnt hat. Es gehört nicht zu den besten Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, aber es war am Ende kein ärgerliches Buch – und das ist doch schon was. Ich hatte die Gelegenheit, Tom Rachman bei seiner Lesung im Münchner Literaturhaus persönlich kennenzulernen. Ein durch und durch sympathischer Autor, dem man noch viele erfolgreiche Bücher und begeisterte Leser wünscht.

„Die Gesichter“ von Tom Rachman,

erschienen im dtv Verlag

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