Besser

Aus meinem Bücherregal, Deutschsprachige Literatur, Familiengeschichte, Frauenliteratur, Lieblingsbücher, Punks not dead!

„Besser“ von Doris Knecht

„Ich werde nicht kommen heute, ich weiß es jetzt schon. Zu nervös. Zu nüchtern. Zu viele Sachen im Kopf. (…) Er fickt mich,drückt mit seinen Händen meine Handgelenke auf die Matratze, sein langer, knochiger Körper bewegt sich auf mir, er stöhnt laut und ich mache die vorgesehen Geräusche, während ich an die fertigen Vorspeise im Kühlschrankdenke, an die gestern bereits zubereitete Entenleber-Pâté, an die Ziegenkäse-Tartes.“

Darf ich vorstellen – Antonia Pollak. Antonia ist  auf den ersten Blick typische Wiener Bobo-Mama: sie lebt mit ihrem Mann Adam, von Geburt an sehr geldig und (natürlich) trotzdem sozial, und den beiden kleinen Kindern in einer großzügigen Penthouse-Wohnung am Brunnenmarkt, hat ein Atelier, in dem sie eigentlich Pappmaché-Kunstwerke anfertigt und uneigentlich die meiste Zeit im Internet surft. Der schwule beste Freund, der in Antonias Fall jedoch nur „fast schwul“ist,  darf natürlich auch nicht fehlen, ebenso wie der aufregende (da Kriegsreporter) geheime Liebhaber – just jener Mann, der in der Eingangsszene auf und in ihr ist, während sie durch Gedanken über den  kulinarischen Ablauf des anstehenden Abendessens am Orgasmus gehindert wird. Auf den zweiten Blick hat Antonia zahllose Geheimnisse – Geheimnisse, die weit über das alltägliche Liebhaber-Geheimnisse hinausgehen.  Denn eigentlich ist Antoniaso gar nicht Bobo. Sie stammt aus desolaten Familienverhältnissen, hat jahrelang auf der Straße gelebt, war Heroin abhängig, abhängig von einem „Mannmit einer Narbe“ (Zuhälter?) und fühlt sich sehr oft ziemlich fehl am Platz. In ihr immer die unspezifische Angst entlarvt zu werden als eine, die sich eingeschlichen hat, die nicht wirklich dazu gehört sondern nur dazu gehören möchte. Und doch weiß sie, dass das Gefühl nicht dazuzugehören, nur durch Zufall da zu sein wo sie ist, gefährlich ist. „Das geht nicht. Wenn man Kinderhat, geht das nicht.“

Ein sehr kurzweilig, intelligentes und sprachlich gewitztes Buch mit österreichischen Zungenschlag. Der Leser folgt innerlich nickend Antonia, wie sie Klischees entlarvt, um dann im nächsten Gedanken zu erkennen, dass man beim Lesen selbst vorgeführt wurde als klischee-entlarvende Klischee-Intellektueller. My kind of humor!

Ich mochte es sehr, dieses Buch von Frau Knecht. Daher unbedingte Leseempfehlung!

Doris Knecht  – „Besser“

erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag, 285 Seiten,  9,99 Euro

(Werbung/unbezahlt)

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