Never trust the devil

Debütroman, Deutschsprachige Literatur, Gesellschaftsroman, Punks not dead!, Unabhängige Verlage

„Remember you never trust the Devil,

stay clear of Lucifer’s hand.

Don’t let them wander in the meadow,

or you’ll wind up in the frying pan.“

(T. Waits)

Knistern, harte Gitarrenriffs, feuernde Drums, rasende Leadvoice, die Nadel springt wütend übers Vinyl. „Tired“ von Phil Jaco lesen ist wie ne zerkratzte Buzzcocks Scheibe auflegen – man versteht nicht jede Zeile, manchmal wird’s sehr wütend, sehr laut und doch kann man sich dem treibenden Beat nicht entziehen, ist vom ersten Moment an drinnen. Und dann singt Pete Shelley … you spurn my natural emotions … I can’t see much of a future… Und Nick Pursey ist auf der Suche nach nem Fick aus Liebe. Unter all dem Dreck, hinter all dem Versagen, dem Suff und den abgehärteten Masken auf den verbrauchten Visagen, die einen letzten Kick suchen in immer noch Härterem – sei’s Drogen, Sex oder Gewalt. EVER FALLEN IN LOVE?

„Ich setzte mich auf den Boden und drückte mir die Stangen des Geländers in den Rücken, stand wieder, hockte, lehnte, köpfte Bier, qualmte, zog meinen Flachmann, blickte in die Nacht und dachte an den Nachmittag – ein Gefühl wie taube Finger und kahle Pusteblumen.“

Der Nachmittag, an dem er sich mal wieder in die tiefste Dreckschicht reingewühlt hat, an Abgründen balanciert ist, von denen sich die Seele nie erhol, die sich einbrennen -egal mit welchen Gewichten man sie in der Tiefe des Ichs versenkt, kommen sie doch wieder an die Oberfläche, sind die tauben Finger und die kahlen Pusteblumen.

You make me feel I’m dirt and I’m hurt…

Sehr harte Gangart und dahinter die menschlichste aller Sehnsüchte: die nach Liebe und Nähe. Das war für mich „Tired“.

Die für die Collage verwendeten Fotos stammen aus dem Bildband „tiny – streetwise revisited“ von Mary Ellen Mark. 1983 traf sie zum ersten Mal Tiny, ein 14-jähriges Straßenkind in Seattle, die von einem Haus mit einem Pferd, drei Yachten, Juweln und einem eigenen Baby träumt, die Drogen und ihren Körper verkauft um zu überleben. 30 Jahre begleitet die Fotografin als stumme Zeugin das Leben von Tiny. Ein Leben zwischen Pot, Crack, Methadon, 10 Kindern von zig Männern.

„It’s hard to escape the bed your are born in.“ (M.E. Mark)

Phil Jaco „Tired“

erschienen bei Devel & Abt, 2018

224 Seiten, 18,99 €

 

Mary Ellen Mark „Tiny: Streetwise Revisited“

erschienen bei Aperture, 2015

176 Seiten, 31,79 €

 

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